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2. Dezember 2020, 09:48 Uhr
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ca. 2min 49sec

BUND-Kritik an „Grünem Quartier“

Das Projekt sei zwar gut fürs Klima. Es sei aber keine Lösung für wesentliche Probleme.

Der Friedhof ist schon lange ein Sorgenkind in der Stadtmitte.

Der Friedhof ist schon lange ein Sorgenkind in der Stadtmitte. ©

norderney/BOS – Ende Juni hatte die Stadt Norderney das Projekt „Grünes Quartier Mühlenallee“ beim Förderprogramm des Bundes zur Klimaanpassung in urbanen Räumen eingereicht. Mitte vergangener Woche kam die Zusage über einen Zuschuss in Höhe von 90 Prozent der entstehenden Kosten, insgesamt 3,6 Millionen Euro.

Ein Grund zur Freude, sollte man meinen, denn Projekte, die in der Vergangenheit immer wieder auf die lange Bank geschoben wurden, könnten jetzt angegangen werden. So äußerte sich auch der Bürgermeister. Zum Beispiel die Mühlenstraße, die sich in eine Allee wandeln soll, der „Generationenpark“ auf dem Grundstück des Altenheimes oder der Friedhof, der seit Jahren als unansehnliches Sorgenkind inmitten der Stadt gilt. Zudem würde die jetzt überplante Fläche sich gut in die wenigen vorhandenen Grünflächen fügen und zu einem Biotoptrittstein werden.

In einer Stellungnahme äußert der örtliche BUND Bedenken, der das Vorhaben „ein Signal gegen den Klimawandel“ nennt. In einer Pressemitteilung schreibt der Umwelt- und Naturschutzverein: „Nach Aussagen der Stadt verfolgt die Projektskizze neben der Vernetzung von Naturräumen vor allem stadtklimatische Ziele. Weiterhin soll die Biodiversität in der Stadt – jenseits der durch die Nationalparkgesetzgebung geschützten Bereiche – gestärkt werden. Das bedeutet nichts anderes, als dass im Stadtgebiet mehr wild lebende Tiere und Pflanzen ihr Zuhause finden sollen. Explizit wird die Entwicklung von Lebensräumen für Insekten und Vögel genannt.“

Der BUND begrüße ausdrücklich dieses ehrgeizige Projekt, weil der Naturschutzverband sich schon seit Jahrzehnten für mehr Natur in der Stadt einsetzt. Das sei ein besonderes Anliegen des langjährigen BUND-Vorsitzenden Heero Jacobs gewesen. Für ihn wäre es eine Freude, die Umsetzung dieser Idee mitzuerleben, heißt es in der Mitteilung.

„Auch wenn das Vorhaben in die richtige Richtung zielt, so entfaltet es keine Wirkung gegen eine der wesentlichen Problematiken, die die urbanen Lebensräume beeinträchtigen. In Deutschland werden pro Tag etwa 50 Hektar Land durch Überbauung jedweder Art versiegelt, was pro Jahr die Fläche einer Stadt wie Oldenburg ausmacht. Diese Entwicklung hat erhebliche negative Einflüsse auf die Biodiversität und auf das Klima. Auch im Stadtgebiet von Norderney ist eine ständige Verdichtung der Bebauung zu verzeichnen. So werden immer noch Innenhöfe und Gärten wider besseres Wissen der Überbauung zugeführt. Das beträchtliche Ausmaß der voranschreitenden Betonierung wird durch einen Blick auf ein Luftbild deutlich. In einigen Stadtquartieren sind kaum noch Grünflächen vorhanden.“ „Die Politik und die Stadtverwaltung sollten endlich energisch gegensteuern und das Gemeinwohl vor Partikularinteressen stellen.“

Stattdessen sei eine weitere umfangreiche Flächenversiegelung in Planung, schreibt der BUND. Überlegungen zielten darauf hin, den Theaterplatz mit Hotels oder anderer touristischer Infrastruktur zu bebauen. Am Ende würde eine weitere Erhöhung der Übernachtungskapazitäten stehen, was die durch das jetzt schon immense Besucheraufkommen in Bedrängnis geratenen Lebensräume im Nationalpark noch mehr unter Druck setzen würde, heißt es in der Erklärung weiter.

„Es besteht aber auch eine andere Möglichkeit. Der Stadt bietet sich aktuell die einmalige Gelegenheit, ein Signal gegen den Klimawandel und für die Entwicklung urbaner Freiräume zu setzen. Die Politik sollte ernsthaft darüber nachdenken, den Theaterplatz, der durch den Abriss des Hauses der Insel zu einer Grünfläche geworden ist, in einen Park umzuwandeln“, heißt es vom Verein.

„Abgesehen von der positiven Wirkung auf Klima und Biodiversität könnte eine großzügige Grünanlage mit Kureinrichtungen im Zentrum der Stadt von einem sehr hohen touristischen Wert und damit auch zu einem wirtschaftlichen Faktor werden. Nicht zu unterschätzen wäre auch die identitätsstiftende Wirkung in der Norderneyer Bevölkerung“, gibt der BUND zu bedenken.

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